Orgelkino 2018

Die Erfolgsstory: Kirche als Kino

Wieder einmal diente die Gebhardskirche als Kinosaal, wieder einmal musste Pfarrer Dr. Andreas Rudiger zum Zusammenrücken bitten, und wieder einmal entwickelte sich eine Orgelfilmnacht mit Flair. Der Charlie-Chaplin-Abend gestaltete sich als optimaler Dreiklang: eine klassische schwarz-weiß Slapstick-Comedy, ein begnadeter Organist und eine Spitzenorgel.. Der Stuttgarter Domorganist Johannes Mayr untermalt alljährlich einen Stummfilm-Klasser und reizt virtuos die Vielfalt der Winterhalter-Orgel. Zu deren Weihe 2014  begann die Serie der Orgelfilmnächte mit dem Klassiker „Metropolis“. Inzwischen kann man von einer Tradition mit einer großen Fangemeinde sprechen, die am 20. September 2019 mit dem „Phantom der Oper“ ihre Fortsetzung findet.

Die Protagonisten: Ein Film, ein virtuoser Organist Namens Johannes Mayr, das Zebra-Kino und die „Petershauser Orgelkultur“. Deren Vorsitzender Wolfgang Müller Fehrenbach schwärmte von den Orgelfilmabenden und der Freude an Musik und Theater, die gleichbedeutend seien wie die Freude am Leben.

Wie setzt man Freude am Leben in Töne um, und wie gestaltet sich Musik zu Filmen von Anno Dazumal? Der Stuttgarter Kirchenmusikdirektor und Hochschullehrer gilt als ausgewiesener musikalischer Begleiter von Stummfilmen, und wer ihn öfters erlebte, der staunt. Er bekennt im Gespräch die Unterschiede der verschiedenen Gattungen, vergleicht den melodramatischen Spannungsbogen von „Metropolis“ und „Der Glöckner von Notre Dame“ mit den in Konstanz gespielten drei Chaplin-Kurzfilmen voller spontaner Handlungen. Drei völlig verschiedene 25-minütige Kurzfilme hatte er aus 22 Streifen ausgewählt: „The Pawn Shop“ mit diversen Schlägereien und eben jenen berühmtern Slapstick-Szenen, dann „The Immigrant“ mit einer - fast – hoffnungslosen Liebensgeschichte. Dazwischen das Filetstück „One A. M“ , ein Lieblingsstück des Musikers, wie in seiner Erzählung zur Auswahl der Stücke deutlich wurde: Eine Herausforderung für Improvisationen: Wie Chaplin betrunken nicht mehr den Weg ins Bett findet, wie er die Treppe hinaufsteigt und herunterrutscht, wie er dem Ding-Dong-Uhrenpendel nicht aus dem Weg gehen kann und wie er sich einen Kampf mit dem Klappbett liefert. Eine Ein-Mann-Show und hunderte von musikalischen Möglichkeiten.

Johannes Mayr reizt es, nicht nur Bum-Bum-Schlägereien gewaltig zu untermalen und sanft die Tränen der Frauen kullern zu lassen – nein, das Klingeln eines Weckers, das Zerbrechen von Gläsern, das Aufwirbeln von Staub das Rülpsen der Immigranten auf dem Schiff, all das reizt ihn zu Improvisationen auf einer dazu geschaffenen Orgel mit ihrer Vielfalt an farbigen Klangbildern – wenn man sie ausschöpfen kann. Johannes Mayr hat dies wieder einmal bewiesen und Charlie Chaplin erwies sich mit seiner engen Jacke, Hut und Spazierstock als Entertainer ohne Alter. Das Publikum in der vollbesetzten Kirche ging begeistert mit, feuerte den Protagonisten an und Beifall gab es nicht nur am Ende des furiosen Abends.

Jutta Cappel

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