Ein großer Klang für Petershausen

Konzertpremiere mit Bach und Fischer

Beim Konzert zur Orgelweihe spielte Helmut Deutsch in der Gebhardskirche. Bild: Hanser

SÜDKURIER Konstanz, 16.07.2014
von Reinhard Müller

Erstes Konzert auf neuer Gebhardsorgel begeistert Zuhörer.
Am Vormittag die Weihe, am Nachmittag das Konzert. Helmut Deutsch zeigte den Konzertbesuchern, was in der neuen Gebhardsorgel steckt.

Der größte Tag der neuen Gebhardsorgel ist erreicht: Am Sonntagvormittag die Weihe durch den emeritierten Erzbischof Robert Zollitsch, und ihr sehnlich erwarteter erster liturgischer Einsatz. Am Nachmittag füllte sich das Gotteshaus erneut restlos: Man wollte die Konzertpremiere der neuen Orgel miterleben. Orgelbauer Claudius Winterhalter hatte auch für das Auge ein aufsehenerregendes Kunstwerk geschaffen: Der Blick zur Empore zeigt eine klare, zur ursprünglichen Bauhaus-Architektur der Kirche passende Rechteckform des Prospekts mit Goldapplikationen und seitlich anschließenden „Blendsegeln“, die die dunklen Ecken der Rückwand verbergen und einen Hauch von Kulissengassen großer Bühnen vermitteln. Helmut Deutsch (Freiburg/Stuttgart) als erster Konzertorganist zog natürlich alle Register (so die gängige Umgangssprache).

Der Barockzeit widmete Deutsch große Programmteile: Tänzerisch verspielte Suite des Bach-Zeitgenossen J.C.F. Fischer spürte dem damaligen Orchesterklang im „Kleinen Tutti“, in Flötenstimmen, Prinzipalregistern, Mixtur und Trompeten nach, bevor J.S. Bachs Passacaglia mit ihren 21 Variationen und konzertanter Fuge Klangmöglichkeiten weit ausschöpfte, dargestellt in auch romantischer Interpretation nach Liszt'scher Fassung. Dagegen der mitleidende Bach mit Streicher- und Blockflötenfaktur (mit Tremulant) der Trauer-Sinfonia des „Actus tragicus“. Der klavieristische Bach fand in der G-Dur-Fantasie glitzerndes Cembalo-Laufwerk mit sich anschließendem feierlich schreitendem Plenumsatz.

Besonderheit dieser Orgel: Zwei Hauptwerke (auf zwei Manualen) ermöglichen im Zusammenklang mit dem Schwellwerk des dritten Manuals unzählige klangliche Variierungsmöglichkeiten, die in den folgenden Werken von Jehan Alain („Litanies“ und „Petite pièce“) impressionistische, wabernde, flirrende und mystische Fernklänge vieler Terz- und Quintregister zauberten. Nach Franz Liszts Charakterstück „Italie“ mit herrlich bunt und duftig registrierten Tanz- und Liedmotiven seine Hommage an Bach: das B-A-C-H-Präludium mit Fuge in grandioser Klangüppigkeit, orchestraler Wucht und virtuosen Klaviaturläufen, Basspracht der Bombarde und final aufgetürmten Akkorden. Als Zugabe das B-A-C-H-Thema von Sigfrid Karg-Elert.

Ergriffenheit und Begeisterung kamen im großen Schlussapplaus zum Ausdruck, und vor allem Dank an den herausragend gestaltenden Künstler an der Orgel und an die vielen Akteure, die zum Bau dieses bewundernswerten Instruments geführt haben: Orgelbauverein, kirchliche Ämter, Sponsoren, Spender, Pfarrei, Pfarrer und die Orgelbauwerkstätte Winterhalter mit ihrem handwerklichen und Künstlerteam. Die Konstanzer Orgellandschaft hat einen gewaltigen Sprung nach rechts des Rheins gemacht und startet jetzt mit einer eigenen Konzertreihe, die bis in den Oktober läuft.

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